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Reisebericht
 

 

 

 

Reiseverlauf

23.11.:    Jens und ich  fliegen mit  Lufthansa nach Addis und kommen gegen 21 Uhr an. Chris, unser Reiseleiter holt uns ab und bringt uns ins Hotel Ghion. Gegen 1 Uhr kommen dann die anderen an und nach ein paar gemeinsamen Bieren klingt der Abend gegen 2:30 Uhr dann aus.

24.11.: Aufstehen gegen 8:30, Nach dem Frühstück geht's dann zuerst zum Buero von Travel Ethiopia, unserer lokalen Agentur für Fahrzeuge mit Fahrern und die notwendigen Genehmigungen, und später zu einer ersten Fahrt durch die Stadt, sowie einem dunstigen "Aussichtspunkt" mit (bei klarer  Witterung sicher gutem) Blick über die Stadt.

Ein Stop auf dem Straßenmarkt, eine orthodoxe Kirche sowie das Nationalmuseum in Addis Abeba  stehen auf dem Tagesprogramm.

Ich sitze gegen 5 Uhr auf der Treppe vor dem Hotel, da rufen mich Lothar und Manfred vom Park aus. Ich höre auch schon seltsame Musik (ehrlich gesagt ziemlich schräger Lärm) und als ich gen Park laufe sehe ich ein Hochzeitspaar samt gleichzeitig singendem und tanzendem Anhang durch den Park wandeln. Wir schauen zuerst interessiert daraufhin kommt das Hochzeitspaar auf uns zu und mit uns ins Gespräch. Wir werden zum Essen für den nächsten Tag eingeladen, müssen aber leider ablehnen weil wir morgen Addis verlassen möchten, sehr schade.

 Nach einem erlebniseichen Tag mit ersten Eindrücken der Hauptstadt Äthiopiens lassen wir den Tag in einer Pizzeria im Stadtzentrum ausklingen.

25.11.:  Heute soll's losgehen. Zuerst einmal ewiges Warten auf die Autos, dann 1000 Liter Wasser in Kanister füllen und mit Micropur präparieren. Erneutes Warten, Bernhard nützt die Zeit um beim indischen Zahnarzt die am Vorabend zerlegte Plombe richten zu lassen, dann haben wir alle Jeeps zusammen, wundern uns ein wenig über teilweise fehlende Radmuttern und fahren zum Markt um Proviant auf dem Markt einzukaufen. Gegen 16 Uhr verlassen wir dann viel zu spät Addis und fahren los.  Nach ca. 230 km erreichen wir dann gegen 22 Uhr als erstes Fahrzeug unsere Lodge im Awash-Nationalpark. Die Letzten treffen kurz nach Mitternacht ein, da nur ein Fahrer den Weg zu Lodge kannte und einige Autos etwas länger brauchten die etwas abgelegene Lodge bei Nacht zu finden

26.11.:  Durch Steppe und Sandwüste, vorbei an riesigen Basaltfeldern und einigen Aschekegeln, führt uns der Weg heute über 280 km bis auch Assayta, der Hauptverwaltungsstadt der Afars, wo wir unsre Genehmigungen für die Weiterreise einholen und einen Polizisten zum Schutz einladen werden. Gegen 6 Uhr ereichen wir Assayta und  beziehen Quartier in einem "Hotel". Beim Abendessen haben wir ersten Kontakt mit Injera, einer Art Ziegengulasch mit jeder Menge Knochen auf Sauerteigfladen, die von mitteleuropäischen Mägen nicht immer ganz problemlos verdaut werden. Die Folgen werden sich in den nächsten Tagen bemerkbar machen.....

Wegen der Hitze , vor allem aber  dem Zustand der Unterkünfte ziehen wir es vor, auf für uns aufgestellten Betten im Innenhof des Hotels unter freiem Himmel zu schlafen. Bei deutlich über 20 Grad Nachttemperatur ist das auch kein großes Problem und abgesehen von ersten Wirkungen der Injera haben wir keinen wirklichen Grund zur Klage. Lediglich einpaar kleine Krabbeltiere sowie einige Katzen belästigten uns ein wenig vor dem Einschlafen.

Unser Hotel in Assayta (26.11.2002)

 

27.11.: Eigentlich wollen wir heute bis Afdera, ca. 50 km südlich des Erta Ale, kommen aber daraus wird nichts. Einige Zeit verstreicht bis wir die notwendigen Genehmigungen für die Fahrt in die Danakil bei den lokalen Behörden erhalten, wir nutzen die Zeit um das Geschehen im Stadtzentrum mit zu verfolgen und von der Höhe auf den Awash-Fluß mit den Bauern am Ufer zu beobachten. Unsere einheimischen Fahrer bummeln, wir kommen zu spät los und entscheiden uns anstelle der direkten Fahrt nach Afdera zu den Geysiren bei Dubti zu fahren. Hinter Dubti folgen wir den Tipps unserer einheimischen Fahrer und verlassen den Weg um auf direktem Weg durch die Sandwüste zu den Geysiren zu kommen und den Kontakt mit Einheimischen Isas, einem lokalen und Fremden gegenüber scheinbar nicht sehr aufgeschlossenen Stamm, zu vermeiden.

Nach  nicht ganz einem Kilometer Fahrt vergräbt aber einer unserer begnadeten Fahrer denn Jeep im Sand und die Bergung dauert etwas zu lange. Leider ist es schon etwas spät am Nachmittag und wir müssen abbrechen, denn wir wollen diese einsame Gegend noch vor Einbruch der Dunkelheit verlassen und fahren zurück nach Loggia, einer Siedlung  an der Straße nach Dschibuti, um dort zu übernachten.

Im Sand hinter Dubti, 26.11.2002

Wieder schlafen wir im Innenhof eines Hotels unter freiem Himmel, nachdem wir einige Portionen Pasta verdrückt haben. Deutliche Auswirkungen der ungewohnten Nahrung bringen mich dazu öfters die Toilette aufzusuchen als mir lieb ist und bei den vorherrschenden Düften an den hiesigen Örtchen kommt mir der Gedanke, dass meine mitgebrachte Gasmaske eventuell nicht nur in Schwefelwolken am Vulkan sinnvoll sein kann.

Um eine vermeintlich notwendige Kopie einer  Genehmigung zu machen fahre ich mit Manfred nachts gegen 21 Uhr dann noch mal nach Dubti, aber auch dort ist der Kopierer gerade defekt und plötzlich scheint's nicht mehr so wichtig zu sein. Wir sitzen dort etwa eine Stunde alleine im Auto rum nachdem unsere Locals mit unbestimmtem Ziel ausgeflogen sind und fühlen uns sichtlich unwohl  , so ganz alleine im Auto. Aber auch das geht vorbei und nach etwa 2 Stunden Nachtausflug für rein gar nichts sind wir dann wieder in Loggia und legen uns schlafen.

28.11.: Jetzt geht's nach Afdera.  Die Schotterstraße führt uns durch bergige Landschaften  mit  deutlichen Zeichen ehemals vulkanischer Aktivität hinunter in die Danakil Wüste. Salz, Sand sowie Basaltflüsse und gelegentliche Aschekegel  kennzeichnen die öde Landschaft der bis zu über -100 Meter  unter NN gelegenen Senke mit Temperaturen von über 40 Grad. Eine menschenfeindliche Gegend mit nur wenigen Bewohnern die Fremden gegenüber nicht gerade überaus aufgeschlossen sind.

Wieder einmal Kühlwasserwechsel

(Hntergrund Mount Afdera 27.11.2002)

Deutlich zu langsam aber mit viel zu hoher Motordrehzahl holpern unsere Fahrer über die wellige Schotterpiste und verschütteln uns gnadenlos. Sämtliche Versuche unseren Fahrer zum Schalten in den 4. Gang zu bewegen scheitern und mangels Kühlwasser-ausgleichsbehälter (den hat jemand  einmal ausgebaut und den Einbau dann vergessen) kommen wir alle 40 Kilometer in den Genuss eines Stops um Kühlwasser nachzufüllen.  allerdings haben wir auch den Eindruck das wäre nicht so häufig notwendig und unserer  Fahrer findet Gefallen am Öffnen des Kühlers

Mittags erreichen wir Afdera, eine einfache aber nicht zu kleine Siedlung für die Arbeiter des dortigen Salzabbaus. Die Fahrer fahren zielgerichtet die Polizeistation aus,  die wir dann auch bis zum nächsten Mittag nicht mehr verlassen dürfen. Wir sitzen den Nachmittag und Abend über in der Polizeistation und schlagen die Zeit tot. Raus dürfen wir nicht und so heißt es wieder einmal warten bis die Dorfältesten über unser Ansinnen entscheiden. Nicht gerade der gastfreundlichste Ort und auch mit der Hygiene hapert es noch etwas.

Unser Koch bereitet uns abends eine Sparportion Pasta zu und gegen 22 Uhr legen wir uns dann im Freien auf unseren Planen zur Ruhe. Ein  nachts aufkommender Sandsturm  lässt uns leider nicht so richtig ruhen, so dass wir am nächsten Morgen nach einer wenig erholsamen und sehr unruhigen Nacht mit  reichlich Sand in Mund, Nase, Ohren und sonstigen Körperteilen aufwachen und in hoffnungsvoller Erwartung schon mal all unsere Sachen abfahrtbereit verstauen.

Sandsturm in Afdera (28.11.2002)

 

29.11.: Erstmal wieder Rumsitzen in der Polizeistation und warten ob die Verhandlungen der Dorfältesten weitergehen und was dabei rauskommt. Hier bleiben? Weiterfahren?  Zurückfahren?

Mittags fahren wir dann mit einem etwas grimmigen Typen der der Eindruck erweckt, der sei Bin Ladens  Onkel, als lokaler Bewachung zu 2 verschiedenen heißen Quellen und an den Afdera See, einem ebenso großen wie salzhaltigen See ca. 100 Meter unter dem Meeresspiegel. Währenddessen tagt der Dorfrat weiter und gegen 15:30 zeigt sich dass nichts bei rauskommt. Die Locals wollen uns nicht weiterlassen, zuerst ist der Weg nicht passierbar weil eine (in Wirklichkeit nicht existierende) Brücke eingestürzt ist, dann sondern fordern sie, dass 15 Einheimische uns als Bewacher auf den Erta Ale begleiten. Alle Erklärungen, dass weder ausreichend Wasser vorhanden ist noch der Hubschrauber ausreichend Platz für insgesamt 26 Personen bietet nützen nichts. Glücklicherweise haben wir ein Sattelitentelefon dabei und können mit der Organisation in Addis  Kontakt aufnehmen und ebenso erstaunlicherweise wie glücklicherweise kann uns von dort aus rasch geholfen werden. Wir planen um, bestellen den Hubschrauber für den Transport auf den Berg um und fahren wieder zurück nach Loggia. Wieder 280 km Schotterpiste, erstaunlicherweise werden unsere Fahrer, die bisher mehr auf der Bremse als auf dem Gasped al standen plötzlich schnell und gegen 22 Uhr sind wir nach 2 Tagen unnützen Fahrens wieder in unserem alten Hotel in Loggia und essen Pasta. So langsam nehmen die Zweifel zu, dass wir unser Ziel auch tatsächlich erreichen.

30.11.: Von Loggia aus wollen wir heute nach Makale. Über 500 km Fahrstrecke auf teils asphaltierten, größtenteils aber feldwegähnlichen Strassen durch Wüste, überwiegend aber bergiges Hochland bei angenehmen Temperaturen. Bei unseren Fahrern ein etwas zu ehrgeiziges Ziel wie sich im Nachhinein herausstellt. Wäre da nicht die Anspannung ob wir es nun schaffen, zum Erta Ale zu kommen, wäre die Fahrt sicherlich wesentlich schöner.

Hohe Berge mit wenig Wald, dafür aber reichlich Landwirtschaft und vielen verstreuten kleinen Dörfern wie auch einigen größeren Städten bieten ein schönes Panorama. Die Spuren des vergangenen Bürgerkriegs sind allgegenwärtig durch eine Vielzahl ausgeschlachteter alter russischer Panzer verschiedenster Bauart, die am Straßenrand langsam aber sicher verrotten und nun nicht selten als Spielplatz für Kinder dienen.

T55 im Hochland bei Desse

Gegen 17 Uhr wollen unsere wieder einmal bummelnde Fahrer auf halber Strecke ihr Tagwerk beenden, doch wir können Sie zur Weiterfahrt bewegen, da ein vorzeitiger Halt  unser  morgiges Ziel Makale gefährden könnte. Erstaunlicherweise entdecken die Fahrer nun trotz Dunkelheit, schlechter Straße und unzureichender Beleuchtung Geschwindigkeitsbereiche jenseits von 50 km/h und , Gott sei's gedankt, überstehen wir die Fahrt ohne Unfälle oder überfahrene Einheimische die sich nachts meist ohne Licht auf der Straße bewegen.  Gegen 21 Uhr Alamata, eine kleine Stadt mit einigen Hotels und übernachten in einem Hotel, da die Beleuchtung unserer Jeeps dem TÜV die Haare zu Berge stellen würde und uns das Ganze bei der Fahrweise unserer Fahrer etwas zu riskant wird. Außerdem  sind die 150 km bis Makale morgen selbst bei unvorhergesehen technischen Pannen kein Problem so das wir  ruhigen Gewissens in den einfachen Zimmern unseres sauberen aber etwas lauten Hotels einschlafen können.

01.12.: Fahrt nach Makale, Mit dem Hotel Axum haben wir endlich mal wieder ein  gutes Hotel mit europäischem Standard. Chris organisiert den Hubschrauber für den Flug  zum  Erta Ale und wir kaufen Vorräte für die nächsten 5  Tage am Erta Ale ein. Brot, Eier, Gemüse, Kartoffeln, Bananen, Orangen, Mehl sowie jede Menge Pasta und Tomatendosen und ein wenig Dosenfleisch und Thunfisch sollen uns für die nächsten 5 Tage genügen.

02.12.-7.12.: Früh morgens um halb sechs fahren wir vom Hotel zum nahe gelegenen Militärflugplatz wo wir auf den Kommandeur und unsere drei zugesagten Wachen  warten. Gegen  sieben Uhr kommt dann der Kommandeur und sagt dass es mit unseren Bewachern nichts wird aber wenigstens ist der Hubschrauber ,ein etwas in die Jahre gekommener russischer MI 17 Transporter, da. Nachdem wir den Laderaum des Helis mit 600 Liter Wasser, Proviant, Seilen, unserem Gepäck, 10 Mann und einer Frau proppenvoll gepackt haben, fliegen wir um acht Uhr mit neugierig aufgeregter Erwartung los zum Erta Ale und erstaunlicherweise funktioniert alles. Wir kommen gegen halb 9 am Krater an.

GESCHAFFT!!!!!! 

Erta Ale aus dem Heli von Osten

Erste Augen haben den Lavasee schon durch die Bullaugen des Helis aus der Luft gesehen und berichten von einem rot glühenden Topf. So müssen wir natürlich alle so schnell wie möglich den ca. 160x130 Meter großen und 80 Meter tiefen  Krater mit seinem 80x130 Meter großen kochenden Lavasee mit eigenen Augen sehen. Schnell wird der Heli entladen und als dieser dann wieder zurückfliegt wandelt sich der Lärm der Turbinen in eine Stille die nur vom Brodeln des Lavasees untermalt wird. 

Unmittelbar nach dem Ausladen des Helis  machen wir uns auf die Socken und stehen fasziniert vom Eindruck des in ca. 80 Meter Tiefe  vor sich hin brodelnden Lavasees am Kraterrand. Zwar kommen uns schnell erste Bedenken über den Zustand der etwas bröselig wirkenden Kante und wir sind relativ vorsichtig aber  dennoch ist manchmal die Kombination aus Faszination und Neugier  größer als die Angst und Vernunft zusammen und wir nähern uns bei unserem ersten Rundgang gelegentlich sehr Nahe der Abbruchkante.

 

Chris, der als unser Reiseleiter aber schon über reichlich Vulkanerfahrung verfügt bremst unseren Enthusiasmus durch Hinweise auf die Gefahren des nicht teilweise sehr rissigen Gesteins. Nach einem ersten etwa einstündigen Rundgang um den  Krater gehen wir dann wieder zu unserem Gepäck zurück und beginnen damit uns einen geeigneten Platz fürs Camp zu suchen und uns die nächsten Tage einzurichten.

Die Tage am Krater verbringen wir mit Erkundungen der Kraterlandschaft, Beobachten des einmaligen Schauspiels eines aktiven Lavasees und wir seilen uns in den Krater hinein ab was ziemlich viel Zeit und und Schweiß erfordert. Nicht zu vergessen das Filmen und Fotografieren. Bei 35-40 Grad im Schatten, der dort allerdings nur recht spärlich vorhanden ist, sind unsere Aktivitäten vorwiegend auf den Morgen bis 10 Uhr und dann wieder auf den Nachmittag/Abend zwischen 16 und 19 Uhr  beschränkt denn in der Mittagshitze ist Rumhängen angesagt. Zu heiß für Aktivitäten.

Näheres zum Aufenthalt am Krater findet Ihr unter der Seite Kraterbericht.

Am Morgen des 7.12. holt uns der Heli dann gegen neun Uhr wieder ab und wir fliegen zurück nach Makale. Der Flug führt uns durch die eindrucksvoll vulkanisch geprägte Danakil gen Norden bis zum Dalol, einem Hügel mit farbenprächtigen Schwefel-Salz-Terassen, wo wir ca 10 Minuten Pause einlegen um dann weiter nach Makale zu fliegen. Nach einer kurzen Pause mit Mittagessen im Hotel Axum in dem wir unserer Fahrer, die in der Zwischenzeit unsere teilweise etwas lädierten Jeeps wieder auf Vordermann gebracht haben, treffen brechen wir mit unseren 4 Fahrzeugen gegen 14 Uhr auf, um  in die nördliche Danakil an die Grenze zu Eritrea zu fahren.

 Gegen 20 Uhr ereichen wir dann nach holpriger Fahrt und wieder einmal Schäden am Auto (diesmal ist der Hinterachsstabi gebrochen , mal was anderes  im Gegensatz zu den schon gewohnten Kühlerproblemen) Berale, eine  größere Siedlung entlang der Karavanenroute vom Asale Salzsee ins Hochland. Nach erstaunlich kurzer Diskussion bekommen wir unseren Schlafplatz und übernachten dort zwischen Rathaus und Moschee, einer Wellblechhütte die wir im Dunkel beinahe für eine Toilette halten,  im Freien. In ca. 200 Meter Entfernung sehen wir weitere Jeeps und am nächsten Morgen treffen wir Carsten Peters, einen Naturfotographen der ebenfalls die nördliche Danakil erkunden möchte.

Moschee in Berale (zuerst für Toilette gehalten) Panorama von Berale in der Dämmerung Unser Nachtlager vor dem Rathaus

8.12.: Da unser Auto mit dem Stabilisatorbruch für die nun anstehende Strecke nicht mehr tauglich ist laden wir um und schicken das defekte Auto mit Kedir, unsrem lokalen Super-Führer, zurück nach Makale. Dann brechen wir auf, um etwas beengt und teilweise auf der Ladefläche sitzend weitere 150 Kilometer durch enge Täler und ausgetrocknete Flussläufe in die Wüste zu fahren. Gegen Mittag erreichen wir dann Hamat Ale (dieser Name wurde mir neben einigen anderen genannt, ich habe aber den Eindruck niemand weiß genau wie die Siedlung wirklich heißt), eine Siedlung am Asale Salzsee die vom Salzabbau und durchziehenden Kamelkaravanen lebt. Ich treffe mit dem zweiten Auto gegen elf Uhr dort ein und die nachfolgenden kommen kurz darauf an, während das erste Fahrzeug den Ort passierte und  unverrichteter Dinge weiter in Richtung Dalol fuhr. Fünf Kilometer weiter erkannte aber auch das erste Fahrzeug, dass die nachfolgenden Jeeps nicht kommen, wendete und traf fast eine Stunde später in Hamat Ale ein. Voller Stolz präsentierten Manfred, Jens und Gerrit uns ihre in der Wüste eingesammelten Korallen, doch die Freude währte nicht lange. Von der Durchfahrt nicht gerade begeistert beschlagnahmten die örtlichen Autoritäten die unglaublichen Funde  sofort und versuchten fortan uns die verschiedensten Steine zu verkaufen. Wieder einmal heißt es  nun WARTEN, WARTEN, WARTEN.

Unsere Unterkunft in Hamat Ale

Wir quartieren uns in einer Hütte ein und gegen 15 Uhr dürfen wir dann noch zum Salzabbau raus wo heute (weil Sonntag) aber nichts los ist, schauen einen Salzberg sowie einige Salzwasserlöcher an und fahren wieder ins Dorf, deren Bewohner nicht unfreundlich sind aber es, wie in den meisten Siedlungen mit der Hygiene auch nicht so genau nehmen. Ein Mix aus Knochen, Ziegenfüßen und tierischen Fäkalien ziert den steinigen Boden im Dorf.

Abends fahren wir nochmals raus um die abgenommenen Korallen erneut einzusammeln und kommen mit reichlich Ausbeute  zurück, die wir dann aber besser im Auto liegenlassen. Da es in der Hütte bei Nachttemperaturen um 26 Grad etwas stickig ist und  der Platz für 9 Personen auch nicht gerade reichlich bemessen ist, breiten wir neben der Hütte unsere Planen aus und schlafen im Freien.

9.12.: Heute wollen wir nochmalzum Dalol raus, die Schwefelsalzstellen anschauen und danach  über Berale in Richtung Makale zurückfahren. Unser erster kurzer Abstecher vom Heli aus war ein wenig kurz und hat uns neugierig gemacht Wieder einmal ein ehrgeiziges Tagesziel. Um 7 Uhr fahren wir los. Die Fahrt  dauert etwas länger als geplant da der Weg sehr schwierig ist. Wir müssen dicht an der Grenze zu Eritrea sein und sehen in der Ferne äthiopisches Militär auf Patrouillenfahrt entlang der Grenze. Wir  verlassen die Straße und biegen an einer, zerstörten und verlassenen Siedlung zur Fahrt über den Salzsee ab.

8 km zu Fuß zum Dalol bei 40 Grad

Weil unsere Fahrer aber wieder einmal reichlich Angst haben, diesmal vor der Fahrt auf dem teilweise etwas feuchten Salzsee, packen wir unsere Fotoausrüstungen und reichlich Wasser ein und laufen die letzten 8 km zum Dalol.

Die bizaren Steinformationen des Dalol erinnern ein wenig an den Grand Canyon und bilden ein schönes Bild beim  Anmarsch  zu den Schwefelterassen. Oben  angekommen treffen wir eine verfallene  Siedlung mit ebenso  ausgeschlachteten wie verrosteten englischen Fahrzeugen aus den 50ern an, die eine bizarre Kulisse zu den farbenfroh gelb, orange und grün schimmernden Schwefelterassen bilden aus denen mit leichtem Blubbern überall Wasser sprudelt.

Salzterasse am Dalol

Schwefelsalzkristalle

 

Wir nutzen die Zeit und erkunden ausgiebig sämtliche  Fumarolen auf dem weitläufigen Gebiet,  für das wir ein paar Tage zuvor  während des kurzen Zwischenstops des Helis nur 10 Minuten Zeit hatten. Unsere begrenzten Wasservorräte zwingen uns nach einiger Zeit aber auch wieder zum Rückmarsch in der Mittagshitze bei einer Temperatur deutlich über 40 Grad.

Nach  5 Stunden laufen und rumschauen bei über 40 Grad und anschließender Rückfahrt sind wir dann gegen halb zwei ziemlich angestrengt und noch viel durstiger wieder bei den Jeeps die uns nach Hammat Ale zurückbringen. Nun ist es ist zu spät für die Weiterfahrt und so disponieren wir um und bleiben noch eine Nacht im Dorf.

Gegen Nachmittag filmen/fotografieren wir dann noch etwas im Dorf. Während die Einheimischen zuerst nicht gerade begeistert sind wendet sich die Stimmung schlagartig, als Lothar  das Ergebnis seines Fotografierens den Einheimischen auf dem LCD-Monitors der Kamera zeigt. Fortan wollen sowohl die Kinder wie auch ältere Dorfbewohner fotografiert werden und sich anschließend selbst sehen, und wir haben Mühe die Meute so zu bändigen dass ein Fotografieren überhaupt möglich ist. Mit umgedrehten Monitor kann ich die Kinder die sich nun selbst sehen können ablenken, und Marc kann  ohne Monitor halbwegs unbehelligt filmen.

10.12.: Morgens fahren wir mit den ersten Kamelkaravanen zum Salzabbau raus und treffen die Arbeiter bei der Arbeit an. Harte Arbeit Karger Lohn für die Arbeiter und ein interessantes Bild für uns. Salzhacker  pickeln das Salz in großen Platten, die dann von Stemmern mit einfachsten Hilfsmitteln angehoben werden. Anschließend erfolgt die Zerkleinerung und Salzdesigner   bringen die Salzplatten schließlich in eine standardisierte Größe von a 60 x 60 Zentimetern und stapeln zum Abtransport mit Kamelen.

Salzabbau am Lake Asale

Nachdem wir auch den Salzabbau mit unseren Fotos und Kameras festgehalten haben fahren wir über Berale, wo wir zu Mittag die übliche Pasta essen und einige kleine Dorfschönheiten fotografieren,  zügig weiter bis nach Makale, wo wir gegen 16 Uhr dann ankommen und uns nach fast 10 Tagen erstmals wieder richtig Waschen und rasieren. DAS TUT GUT! Auch wenn es etwas schmerzhaft war den 10-Tage Bart zu entfernen. Nachdem wir  uns frisch gemacht  haben gehen wir noch ein wenig auf den Gemüsemarkt und filmen/fotografieren wir noch ein wenig während sich ein Einheimischer an Marcs Reisepass bedient, was wir aber leider erst im Hotel Axum bemerken. Abends lassen wir es uns bei Pfeffersteak, Salat und Eis gut gehen bevor wir uns erstmals nach 10 Tagen wieder in ein richtiges Bett legen.

11.12.: Morgens gegen 8 Uhr besuchen wir den Salzmarkt von Makale. Ein eher kleiner und unspektakulärer Markt mit einigen Kamelen und kleinen "Salzgroßhändlern" die das erworbene Salz in Ihren Häusern lagern und verarbeiten. Nach einem vergeblichen Versuch den gestrigen Diebstahl bei der Polizei zu Protokoll zu geben, der uns zwei Stunden kostet treten wir die Rückfahrt nach Addis an. 800 km liegen vor uns.

Als Kinderspielplatz genutzter T55, (Kobe 11.12.2002)

Nach ca. 350 km abwechslungsreicher Fahrt erreichen wir abends um 8 Uhr Dessie, eine Hochlandstadt auf ca. 2300 m.ü.NN  und übernachten im Hotel Ghion, einem ehemals sehr vornehmen aber mittlerweile etwas vom Zahn der zeit angenagten Hotel. Nachdem wir nun alles erreicht haben und nur noch nach Addis zurück müssen können wir entspannt die abwechslungsreiche Hochlandlandschaft mit  mehr als 3000 Meter hohen Bergen und reichlich Landwirtschaft genießen.

12.12.: Weiter 300 km fahrt durchs Hochland bringt uns heute in Höhen bis über 3300 m. ü. NN und am Ende bis zur Ortschaft Debre Berehan, 60 km vor Addis, wo wir in einfacher aber ordentlicher Unterkunft übernachten. Mehrere Stopps bei verschiedenen Aussichtspunkten, einer Wasserzapfstelle in Kemise, einem kleinen Dorf auf 2000 Meter Höhe sowie beim Waschtag einer Familie an einem Fluss vermittelten uns schöne Eindrücke vom Hochland mit reichlich Landwirtschaft und Anbau von Zitrusfrüchten bis hin zu Getreide und Gemüse.

13.12.: Kurz vor halb  acht reißt Manfred mich aus dem Schlaf. Habe verschlafen und stehe 5 Minuten später mit Sack und Pack abfahrtbereit am Auto. Wir fahren die letzten 60 Kilometer nach Addis und kommen dort  noch am Vormittag im Hotel Ghion an. Nachdem wir die Zimmer bezogen haben und ein wenig ausruhten fahren wir zum Mercato. Dort schauen wir  einige Stunden das Treiben an und filmen/fotografieren um dann wieder ins Hotel zu fahren. Während große Butter und Käseberge ohne Kühlung  unser Erstaunen hervorriefen weckten die Pfefferdüfte des Gewürzmarktes Niesreize in meiner Nase und bei den Preisen der Souvenirhändler musste ich feststellen, dass ich mein gestern aus dem Wohnzimmer des Hoteliers in Debre Berhan erworbenen  Kuhfellkorb  hier zu einem Viertel des gestern bezahlten Preis hätte bekommen können. Was soll's,  100 Birr (12 Euro) ist auch in Ordnung.

Wir streifen noch kurz den Kisten- und Kanistermarkt. Noch nie habe ich eine derartige Anzahl von bunten Plastikkanistern auf einem Haufen gesehen, die ganze Straße wirkt wie ein einziger Haufen voller Kisten und Kanister in den verschiedensten Farben!! Es scheint als hätte es der Herr im Himmel 7 Tage lang Kanister regnen lassen.

Kanistermarkt, Addis Abeba 12.12.2002

Nun freue ich mich schon auf die leckere Pizza im Stadtzentrum, wo wir schon zu Beginn der Reise gegessen haben und bei Pizza und ein wenig Bier lassen wir den Abend ausklingen. Die Zivilisation mit all ihrem Luxus (der in Addis aber nicht zu ausufernd ist) hat uns wieder zurück.

14.12:  Wir bekommen für 6 Mann einen 30-Sitzer Bus für den Tag in der Stadt. Wir fahren nochmals zum Markt, verbringen dort einige Zeit und anschließend fahren wir noch zu den wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Löwe, Bahnhof, zweiter Löwe, Sozialistendenkmal und Kaiserdenkmal stehen auf dem Programm.

Parallel dazu erleben wir ständig Addis' Armut mit einer Vielzahl an alten und kranken Menschen, bettelnden Kindern und Obdachlosen die in der Stadt an jeder Ecke präsent sind. Zwischendurch essen wir noch eine Kleinigkeit in einem ordentlichen Restaurant an der Haupteinkaufsstrasse in Addis und erleben ich kaufe für mein letztes Geld noch ein paar lokale Andenken ein.

 Abends sind wir dann von der Travel-Ethiopia Chefin zum Essen beim Inder eingeladen. Schade dass ich so wenig zeit habe, denn das Essen ist zwar ein wenig scharf aber ganz lecker. Weil der Flieger um 23 Uhr  zurückfliegt, brechen Jens und ich kurz vor 21 Uhr  in Richtung Flughafen auf, während die anderen erst am nächstem Mittag mit Ethiopian Airways zurückfliegen und den Abend gemütlich ausklingen lassen. Wir fliegen pünktlich zurück und am Sonntag  den 15.12.2002 komme ich dann gegen 10 Uhr am Flughafen Stuttgart an wo Patricia in der Kälte bereits wartet und mich abholt.